Kurze Geschichte der Deutschen Pavillons

Zunächst war Preußen, dann das Deutsche Reich und später die Bundesrepublik Deutschland regelmäßig auf Weltausstellungen rund um den Globus vertreten. Auch als mit der Pariser Konvention 1928 das Bureau International des Expositions (BIE), das internationale Ausstellungsbüro, gegründet wurde, war Deutschland eines der 31 Länder, die die Konvention unterzeichneten. Seitdem ist es Mitglied im BIE. 2000 richtete Deutschland die EXPO in Hannover aus. Zuvor war es mit der EXPO 1957 in Berlin und der EXPO 1965 in München Gastgeber dieser beiden „Spezialisierten Expos“.

1851 London

Auf der ersten Weltausstellung überhaupt gab es mit dem Kristallpalast nur ein einziges Ausstellungsgebäude. Die Teilnehmer waren dort mit ihren Exponaten nach Ländern geordnet präsent. Unter dem Dach des Deutschen Zollvereins zeigt beispielsweise die „Telegraphen-Bauanstalt von Siemens & Halske“ einen Querschnitt ihrer Produkte, darunter mehrere elektrische Telegrafen und ein Läutewerk für Bahnwärterstationen. Ein weiteres Beispiel: Reinhard Mannesmann war mit Produkten seiner „Feilen- und Gußstahlfabrik“ in London vertreten.

Die Weltausstellungen zwischen 1855 und 1873

Das Konzept der einzelnen großen Ausstellungspaläste setzte sich auch auf den Expos 1855 in Paris, 1862 in London, 1867 wieder in Paris und 1873 in Wien fort.

Immer öfter besuchten Staatsoberhäupter die Weltausstellungen. Wie keine zuvor lockte die von 1867 die Regenten der Welt in die französische Hauptstadt, darunter auch König Wilhelm I. Er stattete ihr zusammen mit seinem Kanzler Bismarck und seinem Generalstabschef von Moltke im Juni einen Besuch ab. Überliefert ist von dieser Weltausstellung ebenfalls, dass die Kanonen der Firma Krupp einen nachhaltigen Eindruck bei Besuchern und Journalisten hinterließen. Dem Essener Industriellen Alfred Krupp war es gelungen, auf der Weltausstellung 1873 einen eigenen Pavillon zu errichten, in dem er als der führende Stahlproduzent aus Deutschland seine metallurgischen Exponate zeigte.

1876 Philadelphia

1876 fand die erste Weltausstellung in den USA statt. Sie war die erste Expo, auf der einzelne Staaten ein eigenes Gebäude errichteten – so auch das Deutsche Reich: Neben den großen themenspezifischen Präsentationen in den vom Veranstalter errichteten Hallen stand dem deutschen Generalkommissar ein Gebäude mit Sekretariat und Empfangsbereich zwecks Repräsentation zur Verfügung. Entworfen hatte ihn der aus Bayern stammende und in die USA ausgewanderte Architekt Hermann Josef Schwarzmann. Er machte sich in erster Linie aber als leitender Ausstellungsarchitekt einen Namen und gestaltete als solcher den Fairmont-Park in das EXPO-Gelände um. Die Veranstalter hatten ihn auch mit dem Entwurf der zentralen Ausstellungsgebäude beauftragt.

Weniger erfolgreich war die deutsche Industrie auf dieser Weltausstellung: Den deutschen Produkten wurde auf dem Weltmarkt ihre Wettbewerbsfähigkeit abgesprochen: Sie seien billig und schlecht, auch mangele es an Fortschrittsgeist, urteilte der deutsche Maschinenbau-Ingenieur Franz Reuleaux. Er war als Preisrichter nach Philadelphia entsandt worden. Seinen harten Worten schenkte man in Deutschland Gehör: Er wurde für die folgenden Weltausstellungen 1879/80 in Sydney und 1880/81 in Melbourne zum deutschen Generalkommissar berufen.

Melbourne 1880

33 Länder nahmen an der ersten Weltausstellung in Australien teil, darunter die USA, Großbritannien und Deutschland. In der Ausstellungshalle waren u. a. eine Reihe von Produkten aus Eisen und Stahl, Medikamente, Schmuck, Musikinstrumente, Fotografien, Weine und Naturprodukte aus dem Pazifischen Raum zu bestaunen. Der Ausstellungspalast blieb auch nach der Weltausstellung erhalten: 1901 konstituierte sich dort das erste Parlament Australiens. Er ist heute Weltkulturerbe.

Paris 1878 und 1889

Nach 1855 und 1867 war die Pariser Expo von 1878 die dritte Weltausstellung in der französischen Hauptstadt. Für Frankreich, das den Krieg gegen Preußen und einen Bürgerkrieg im eigenen Land hinter sich hatte, war sie eine gute Gelegenheit, seine eigene Wiederauferstehung unter Beweis zu stellen. Es war die Zeit der großen Erfindungen. Unter anderem präsentierte Thomas Edison eine Weiterentwicklung des Telefons von Alexander Graham Bells Apparat sowie ein Grammofon. Angesichts der angespannten außenpolitischen Beziehungen zu Frankreich als ehemaligem Kriegsgegner verzichtete Deutschland auf eine Teilnahme an dieser und der folgenden Expo 1889 in Paris. Letztere schlug mit über 32 Millionen Besuchern und einem Gewinn von 8 Millionen Francs alle vorigen Expos. Mit der Veranstaltung beging Frankreich das 100. Jubiläum der französischen Revolution. Eisen dominierte die Bauwerke, auch das berühmteste der Pariser Weltausstellung von 1889: Mit mehr als 300 m Höhe war der Eiffelturm ein Meisterwerk der Ingenieurskunst jener Zeit. Er sollte eigentlich wieder abgerissen werden.

1893 Chicago

Nach dem stark kritisierten Auftritt Deutschlands in Philadelphia wollte sich das Deutsche Reich in Chicago wettbewerbsfähiger präsentieren. Deutsche Unternehmen waren sowohl in den fachspezifischen Ausstellungshallen stark vertreten als auch mit eigenen Repräsentationsgebäude, wie z. B. dem Pavillon der Krupp-Gussstahlfabrik („Krupp Gun Exhibit“). Ein deutsches Dorf, das als Teil des deutschen Auftritts anerkannt wurde, entwarf der Architekt, Bildhauer und Kunsterzieher Karl Hoffacker. Es befand sich im Vergnügungs- und Erholungsbereich der Weltausstellung und bestand aus mehreren Gebäuden, z. B. einer Burg, einem Rathaus und mehreren Bauernhäusern, was folglich eher ein romantisierendes Bild des Lebens in Deutschland zeichnete.
Der repräsentativste Bau des Deutschen Reiches war das Deutsche Haus, entworfen von Johannes Radke, der als Architekt für die Reichspost in Berlin tätig war. Deutsche Bauten des 15. und 16. Jahrhunderts dienten als Vorbild dafür: das Rathaus von Rothenburg ob der Tauber für einen Turmaufsatz, das Aschaffenburger Schloss für die Nachbildung des Schlossturms oder Nürnberg und Goslar mit ihren Fachwerkbauten für die Gestaltung des Giebels.
Auf der folgenden Expo 1897 in Brüssel war Deutschland zwar vertreten, allerdings nicht mit einem eigenen Bau, sondern mit einer Kolonialwarenausstellung in einer der Hallen des Veranstalters.

1900 Paris

Die Weltausstellung zu Beginn des neuen Jahrhunderts begründete auch die Zeit der Belle Epoque. Sie stand im Zeichen der Moderne, einer Zeit des wirtschaftlichen Wachstums und des Fortschrittglaubens. Vorwiegend wirtschaftspolitische Erwägungen veranlassten das Deutsche Reich, an dieser Pariser Weltausstellung teilzunehmen: Wie in Chicago 1893 errichtete es einen eigenen Pavillonbau im Stil der Frührenaissance, den wieder der Kaiserliche Postbauinspektor Johannes Radke entwarf. Die Gebäudefront war mit üppigen Malereien verziert. Unter der Gipsoberfläche befand sich allerdings eine einfache Holzkonstruktion. Die Veranstalter hatten für die Teilnehmerländer eigens eine „Rue des Nations“ entlang der Seine vorgesehen, auf der sich das Deutsche Haus zwischen Spanien und Norwegen einreihte. Gezeigt wurden Produkte der chemischen Industrie, der Stahlindustrie, des Maschinenbaus und der Automobilindustrie. Wie schon in Chicago befand sich im Souterrain des Gebäudes ein deutsches Weinlokal, das sich großer Beliebtheit erfreute. Für die deutsche Handelsschifffahrt hatte der Hamburger Georg Thielen einen eigenen Pavillon nach dem Vorbild eines Leuchtturms an der Wesermündung entworfen. Er wurde an der Pont d’Iéna errichtet.

1904 St. Louis

Am 30. April 1703 hatten die USA Louisiana von Frankreich gekauft. Dieses 200-jährige Jubiläum war der Anlass für die Expo 1904 in St. Louis – wenn auch mit einem Jahr Verspätung. Das Gelände war das bis dato das größte mit 5 km2. 1.500 Gebäude wurden darauf errichtet, 60 Staaten nahmen teil – darunter Deutschland. Sein Staatsgebäude entwarf der Architekt Bruno Schmitz nach dem Vorbild des Charlottenburger Schlosses in Berlin. Das 46 m lange, 21 m tiefe und in seiner Kuppel 50 m hohe Haupthaus hatte eine Fläche von 930 m2, die gesamte Anlage, die sich exponiert auf einem Hügel befand, maß 16.000 m2. In einem Nebengebäude war nach dem Pariser Erfolg von 1900 wieder ein deutsches Weinrestaurant untergebracht.

1905 Lüttich

75 Jahre belgische Unabhängigkeit wurden mit dieser Weltausstellung gefeiert. Unter den Nationen, die daran aus allen Kontinenten teilnahmen, war auch Deutschland. Ein eigenes Staatenhaus leisteten sich die wenigsten, Deutschland ebenfalls nicht: Es richtete seine Ausstellung in einer der zur Verfügung gestellten Gemeinschaftshallen ein.

1910 Brüssel

In Brüssel trat Deutschland mit einer ganzen Anlage auf. Sie umfasste eine überbaute Fläche von 33.000 m2 und elf Gebäude, darunter das Deutsche Haus und das Münchner Haus, in dem sich ein Restaurant befand, sowie diverse Hallen für Kunstgewerbe, Industrie, Maschinen sowie Eisenbahn. Zwei sogenannte „Modellhäuser“ für Arbeiterfamilien, komplett zerlegbar und aus Holz, können heute als erste Fertighäuser angesehen werden – inklusive Inneneinrichtung, die bei Bedarf mitgeliefert wurde. Wenig monumental, sondern eher sachlich, im Stil einer ländlichen Villen- und Gutsanlage einheitlich geplant und gestaltet, spiegelte sich im deutschen Auftritt der Zeitgeist deutscher Architektur.

Barcelona 1929

Noch heute wird im Kontext der Weltausstellungsgeschichte der Deutsche Pavillon von 1929 mit seinen klaren Linien und einfachen Formen als wegweisend für die Architekturwelt genannt. Entworfen hatte ihn der deutsche Architekt Ludwig Mies van der Rohe im Stil des Bauhauses. Das Gebäude sollte durch seine Neuartigkeit und Präzision die Leistungsfähigkeit der deutschen Industrie und des deutschen Handwerks präsentieren. Mies van der Rohe entwarf auch die Möbel für diesen Pavillon, darunter einen Sessel, der als Barcelona-Stuhl weltberühmt wurde. Zwar wurde der Pavillon nach der Weltausstellung abgebaut, zwischen 1983 und 1986 rekonstruierte ihn die Stadt Barcelona wegen seiner Bedeutung für die Architekturgeschichte allerdings nach Originalplänen an ursprünglicher Stelle.

1937 Paris

Wie auf keiner anderen Weltausstellung manifestierte sich in der Lage der Pavillons des Deutschen Reiches und der Sowjetunion die politische Situation jener Zeit: Beide Gebäude standen sich in ihrem ganzen monumentalen Duktus gegenüber. Den Deutschen Pavillon hatte der Berliner Architekt Albert Speer, beauftragt von Adolf Hitler persönlich, entworfen. Direkt an die 140 Meter lange „Ehrenhalle“, in der sich die Ausstellung befand, schloss sich ein über 50 m hoher Turm an, der mit dem Reichsadler inklusive Hakenkreuz im Eichenkranz verziert war. In den insgesamt 22 verschiedenen Ausstellungsabteilungen wurden u. a. Leder- und Stahlprodukte, Keramik- und Glasexponate, aber auch Exponate zur Edelsteinverarbeitung, aus der Elektrotechnik sowie aus der optischen und chemischen Industrie gezeigt. Ein Bereich war dem Thema „Mutter und Kind“ gewidmet.
Die gesamte Architektur des Hauses – innen wie außen – war im Stil repräsentativer Bauten des Dritten Reichs gestaltet. An den folgenden Weltausstellungen 1939 in New York und 1949 in Port-au-Prince nahm Deutschland nicht teil.

1958 Brüssel

13 Jahre nach dem Kriegsende bot sich für die junge Bundesrepublik Deutschland mit der EXPO ’58 in Brüssel eine gute Gelegenheit, sich als westlicher demokratischer Staat zu präsentieren und dem international diskreditierten Ansehen der Nation etwas entgegenzusetzen – eine höchst sensible diplomatische Aufgabe. Tatsächlich war das deutsche Gebäudeensemble in Brüssel ein kompletter Gegenentwurf zu dem von Albert Speer 1937. Mit seiner Planung wurden die Architekten Sep Ruf und Egon Eiermann betraut, Walter Rossow war für die Gärten auf dem 18.000 m² große Gelände zuständig. Die Architekten konzipierten eine 6.000 m²-Anlage mit acht unterschiedlich großen rechteckigen, ein- bis zweigeschossigen Pavillons, die um einen Hof herum angeordnet und durch Stege verbunden waren. Rundum verglast, wirkten sie leicht und transparent. Auch die Ausstellung war dezidiert zurückhaltend: Nicht die wieder erstarkte Wirtschaft und die neue außenpolitische Rolle der Bundesrepublik standen im Mittelpunkt. Vielmehr sollte es um eine „ideelle Schau internationaler Zusammenarbeit im Sinne gemeinsamer Bemühungen um eine Humanisierung des technischen und industriellen Fortschritts“ gehen, wie es Bundeskanzler Ludwig Erhard ausdrückte.
Zum deutschen Auftritt gelangte man über eine 57 m lange, von einem Pylonen gehaltene Stahlhängekonstruktion. Von der Eisen- und Stahlindustrie gestiftet, war sie selbst Ausstellungsstück. Sie existiert noch heute: Als Teil eines Forstweges quert sie die A3 auf Höhe des Duisburger Stadtwalds und steht unter Denkmalschutz.

1967 Montreal

Schon seit der EXPO ‘58 waren Weltausstellungen nicht mehr allein dem technologischen Fortschritt gewidmet. Auch in Montreal sollten universelle Probleme der Menschheit behandelt werden. Den Deutschen Pavillon entwarf der Architekt Frei Otto zusammen mit Rolf Gutbrod. Die riesige Zeltkonstruktion erinnert sehr an die ebenfalls von Otto entworfene Überdachung des Olympiastadions in München: von acht Masten als weißes Kunststoffnetz an 31 Ankerpunkten gehalten, war das Zelt 130 Meter lang und 105 Meter breit – mit einer Fläche von 8.000 m². Die Masten ragten daraus hervor. Auch dieser Deutsche Pavillon ging in die Architekturgeschichte ein und wurde mit dem nach Auguste Perret benannten Prix Perret ausgezeichnet. Der Bau an sich repräsentierte die deutsche Ingenieurskunst, zeigte aber auch wissenschaftliche Beiträge. Ein Teil der Ausstellung war den Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges gewidmet. Daneben thematisierte sie die Bedeutung der Gutenberg-Bibel und die damit einhergegangene Revolutionierung der Drucktechnik für die Welt des Schreibens und der Kommunikation. Schautafeln stellten den bedeutenden Chemiker und Physiker Otto Hahn vor, der für die Entdeckung der Kernspaltung 1944 den Nobelpreis für Chemie erhalten hatte.

1970 Osaka

Die Expo in Osaka war die erste in Asien überhaupt. „Fortschritt und Harmonie für die Menschheit“ war ihr Leitthema. Mit fast 65 Millionen Besuchern kamen so viele Menschen auf eine Expo wie nie zuvor. Völlig neu, revolutionär und nicht ganz unumstritten war auch der deutsche Auftritt: Unter dem Motto „Gärten der Musik“ baute Deutschland nach den künstlerischen Vorstellungen des Avantgarde-Komponisten Karlheinz Stockhausen und nach einem Konzept des Elektronischen Studios der TU Berlin den weltweit ersten und bislang einzigartigen kugelförmigen Konzertsaal, das „Kugelauditorium“. Das Publikum saß auf einem schalldurchlässigen Gitterrost unterhalb der Kugelmitte, umgeben von 50 Lautsprechergruppen. Sie gaben quasi dreidimensional elektroakustische Raumkompositionen wieder, die speziell für diesen einmaligen Raum komponiert worden waren. Neben Bach und Beethoven wurden Werke u. a. von Bernd Alois Zimmermann und Boris Blacher von einem Mehrspurband abgespielt. Stockhausen gab mit einem hochkarätigen 19-köpfigen Ensemble während der 180-tägigen Ausstellung Live-Konzerte für über eine Million Besucher.

1992 Sevilla

Nachdem die DDR 1974 dem BIE beigetreten war, sollte sie 1992 zum ersten Mal auf einer Expo ausstellen. Diese Pläne durchkreuzte die deutsche Wiedervereinigung. Entworfen vom Münchner Architekten Georg Lippsmeier war das Markanteste am Pavillon des wiedervereinigten Deutschlands seine Dachkonstruktion: Ein schräg stehender, 54 Meter hoher Pylon trug azentrisch ein riesiges ovales Luftkissendach aus Segeltuch. Im Inneren wurden unter anderem Teile der Berliner Mauer aufgestellt, und in einer Inszenierung der Berliner Bühnenbildner Harald Koppelwieser und Manfred Gruber konnten sich die Besucher auf einen Spaziergang durch die deutsche Kulturgeschichte begeben, bei dem sie u. a. Alexander von Humboldt begegneten und den Hängegleiter Otto Lilienthals bestaunen konnten.

2000 Hannover

Die erste Weltausstellung in Deutschland stand unter dem Motto „Mensch, Natur und Technik – Eine neue Welt entsteht“. Erklärtes Ziel der Veranstalter war es, eine Weltausstellung neuen Typs zu schaffen – mit Visionen für die Zukunft, Modellen für das Gleichgewicht zwischen dem Menschen, der Natur und der Technik sowie Möglichkeiten für das Zusammenleben von mehr als sechs Milliarden Menschen weltweit. Da Deutschland Gastgeber dieser Weltausstellung war, nahm der Deutsche Pavillon eine Sonderstellung ein: Von Anfang an war er als Gebäude geplant, das am Ende der EXPO 2000 eine Nachnutzung erfahren sollte. Das Charakteristischste des Pavillons ist seine Glasfassade, die nach innen gewölbt ist. Das Holzdach ruht auf Säulen, die zu einem großen Teil ebenfalls aus Glas bestehen. Architekt und Bauherr Josef Wund aus Friedrichshafen realisierte ihn. Die Ausstellung war dreigeteilt: Denken – Fühlen – Handeln. Zunächst bewegten sich die Besucher auf Gerüststegen durch die „Ideenwerkstatt Deutschland“, eine stilisierte Bildhauerwerkstatt. Skulpturen und Büsten bekannter und weniger bekannter Deutscher aus Politik, Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft und dem Sport waren hier zu sehen. Sie standen für die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Deutschlands mit Ideen, die das Land weitergebracht haben und weiterbringen sollten. Im zweiten Bereich „Fühlen“ war ein Film auf zweimal 360 Grad zu sehen, begehbar über sechs „Brücken in die Zukunft“. Der Film zeigte Bilder aus der damals jüngeren deutschen Geschichte, Gegenwart und Zukunft. Im letzten Teil, dem "Mosaik Deutschland", konnten die Besucher rund um den "Baum des Wissens“ 16 Exponate bestaunen, die für die Innovations- und Gestaltungskraft der einzelnen Bundesländer stehen sollten.

2010 Shanghai

Unter dem Thema “Better City, Better Life” fand 2010 die erste Weltausstellung in China statt. Shanghai mit seinen 23 Millionen Einwohnern war der perfekte Austragungsort, um sich mit den Herausforderungen der Urbanisierung zu beschäftigen. Mit 73 Millionen Besuchern und 246 Teilnehmern war es eine Expo der Superlative. Der Deutsche Pavillon trug den Namen „balancity“, eine Stadt im Gleichgewicht. Die Architekten von Schmidhuber + Partner (München) hatten hierfür ein Gebäude mit drei Körpern kreiert, die sich gegenseitig stützten und im Gleichgewicht hielten, bespannt mit einer silbernen Textilmembran. Im Inneren ging es durch städtische Themenräume, in denen Tradition und Innovation, Urbanität und Natur, Globalisierung und nationale Identität als angenehmes Leben im Gleichgewicht beschrieben wurde.. Abschluss und gleichzeitiger Höhepunkt war eine emotionale Show, in der die dort versammelten 600 Besuchern durch ihr Rufen eine riesige mit Bildern bespielte Kugel zum Schwingen brachten. Für das Ausstellungskonzept zeichnete die Agentur Milla und Partner aus Stuttgart verantwortlich.

2015 Mailand

Der Deutsche Pavillon „Fields of Ideas“ orientierte sich am Leitmotiv der EXPO 2015 „Feeding the Planet, Energy for Life“: Deutschland präsentierte sich als lebendige, fruchtbare Landschaft voller Ideen für die Ernährung der Zukunft. Unter dem Motto „Be active!“ machte der Pavillon erlebbar, wie bedeutsam ein wertschätzender Umgang mit der Natur für die Nahrungssicherung ist, und lud die Besucher ein, selbst aktiv zu werden. Um in die sechs Themenfelder Wasser, Boden, Klima, Artenvielfalt, Lebensmittel sowie den Garten der Ideen einzutauchen, erhielt jeder ein so genanntes SeedBoard, ein 20 mal 10 Zentimeter großes, ausklappbares Stück Wellpappe. Die Innenfläche entpuppte sich als Projektionsfläche für alle virtuellen Inhalte im Pavillon – Texte, Bilder, Filme oder Spiele. Das Konzept für die Ausstellung stammte erneut von der Stuttgarter Agentur Milla und Partner. Der Pavillon, den wieder das Münchner Architekturbüro Schmidhuber + Partner entworfen hatte, erinnerte mit seiner sanft ansteigenden Landschaftsebene an ein Stück deutscher Feld- und Flurlandschaft mit einer frei zugänglichen Oberfläche und der Themenausstellung in seinem Inneren. Zentrales Gestaltungselement waren stilisierte Pflanzen, die als „Ideen-Keimlinge“ aus der Ausstellung an die Oberfläche wuchsen. Als Solarbäume generierten sie den Strom für die Pavillonillumination bei Nacht.